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Als die Ganterbrücke 1980 fertiggestellt war, erregte sie weltweit Aufsehen. Sie zählt zu den bekanntesten Werken von Christian Menn.
Prof. Dr. Christian Menn, Jahrgang 1927, promovierte im Bauingenieurwesen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, wo er später über 20 Jahre lang Baustatik und Konstruktion lehrte. Mit einem eigenen Ingenieurbüro baute er über 100 Brücken. Auftraggeber schätzen den Ehrgeiz des preisgekrönten Konstrukteurs, die Gegensätze Ökonomie und Ästhetik zu vereinen.
Seine spektakuläre Brücke setzte er in die reizvolle Naturlandschaft des tief eingeschnittenen Gantertals im schweizerischen Wallis. Technisch eine Herausforderung, gestalterisch ein Wagnis.
Nach mehrjährigen Vorbereitungen beginnen 1976 die Bauarbeiten. Nach vier Jahren Bauzeit wird die mittlere Lücke geschlossen, die Ganterbrücke ist fertig: 678 Meter Gesamtlänge und eine Hauptöffnung von 174 Meter Spannweite, die genau in der Mitte des symmetrischen S-förmigen Grundrisses liegt. Die Ganterbrücke ist eine Kombination aus Balkenbrücke und Schrägseilbrücke. Über zwei Pylone laufen Seilpaare, die dem Straßenverlauf in die anschließenden Kurven folgen. Zur Stabilisierung wurden sie mit Beton verkleidet und verleihen der Ganterbrücke ihre außergewöhnliche Erscheinung.
In der Fachwelt wird der Betongigant kontrovers beurteilt: „Trotz der verdienten Bewunderung für die Kühnheit und Neuartigkeit der Struktur“ hinterlasse sie „einen zwiespältigen Eindruck“, schreibt Fritz Leonhard, der deutsche Pionier des Spannbetonbaus. Andere heben sie in den Rang „moderner Brücken, die technische und ästhetische Innovationen vereinen“.
Das Grundkonzept der Ganterbrücke ist durch die Geologie des Baugrundes im Gantertal beeinflusst. Menn begegnet der Herausforderung mit einem einzigartigen Konzept: Um das Kriechen des Hanges einzudämmen und damit das Gelände zu festigen, wird es über ein Schachtsystem entwässert. Die technische Innovation der Brücke besteht in der Art ihrer Lagerung: Bei herkömmlichen Brücken ist die Fahrbahndecke beweglich auf dem Pfeiler gelagert und der Pfeilerfuß fest mit seinem Fundament verankert. Auf der Kriechhangseite der Ganterbrücke verhält es sich genau umgekehrt: Der Pfeilerkopf ist an der Fahrbahn fixiert, die Pfeilerfüße sind durch Gleitlager von den Fundamenten getrennt - und damit beweglich. Das ermöglicht etwas Einmaliges: Die Ganterbrücke - 678 Meter lang, gebaut aus 18.500 Kubikmeter Beton und 2.000 Tonnen Stahl – kann im Bedarfsfall bis zu 50 Zentimeter Richtung Berg zurück in ihre korrekte Position geschoben werden!
Als die Ganterbrücke Ende 1980 eröffnet wurde, erntete sie Anerkennung und Bewunderung. Im Film blickt ihr Konstrukteur aber kritisch auf sein Werk zurück: "Bei einem Entwurf, da sollte man so weit kommen, dass man sagen kann, ich muss nichts mehr hinzufügen, und ich kann auch nichts mehr wegnehmen. Und hier hätte ich noch etwas weggenommen, ..."
Der Wille zur Perfektion macht Christian Menn zum unerbittlichen Kritiker in eigener Sache, auch noch nach Jahrzehnten. Der Fachwelt gilt er als einer der bedeutendsten Konstrukteure auf dem Gebiet des Betonbrückenbaus weltweit. Seine Ganterbrücke ist ein ebenso eigenwilliges wie einzigartiges Bauwerk, für viele das Brückenkunstwerk schlechthin.
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